Bauanleitung für einen Scherenstuhl

von Markus Lutz

basierend auf der Anleitung von Meister Willamus.


Meister Willamus’ Anleitung ist für einen klappbaren Scherenstuhl. Da meine Transportkapazitäten jedoch beschränkt sind wollte ich eine komplett demontierbare Version bauen. Also erstmal ans CAD und einen virtuellen Prototyp generiert. Nach einigen Ansätzen entstand eine viel versprechende Version, die umgesetzt werden sollte.

Für meinen Scherenstuhl habe ich mich für Esche entschieden, da Esche erstens deutlich günstiger als Eiche ist und bei den meisten Holzhandlungen auf Lager ist. Der Nachteil an Esche ist, es gibt sie nur als Blockware, d.h. ungehobelte Bohlen mit Naturkante. Aber auch alle anderen einheimischen Harthölzer sind ok.

Als erstes braucht man eine Schablone für die vier Wangen des Scherenstuhls. Entweder wird man hier selber kreativ, oder ihr nehmt diese hier. Die Schablone passt genau auf ein DIN A1 Papier, also ab zum Copy-Shop. Am besten klebt ihr die den Ausdruck dann auf ein Stück Karton, was das Anzeichnen auf dem Holz stark vereinfacht. 01
Danach die einzelnen Teile für die Wangen mit der Stichsäge aussägen. Ein grobes Sägeblatt für Massivholz ist empfehlenswert. Je genauer die einzelnen Teile ausgesägt werden, desto weniger muss später nachbearbeitet werden. 02
Hier könnt ihr die fertig ausgesägten Wangen sehen. Kleinere Abweichungen untereinander lassen sich kaum vermeiden. 03
Als nächstes werden die Kanteln für die Streben angezeichnet und mit der Kreissäge ausgesägt (ergibt deutlich geradere Schnitte als mit der Stichsäge :_) Die Streben in meinem Entwurf sind 30x50x465mm. 04
So sehen die fertigen Kanteln dann aus. 05
Für die Verzapfung müssen an den Ecken Ausschnitte gemacht werden, so dass stirnseitig ein Zapfen von 20mm Höhe und ca. 25mm Länge entsteht. Die nötigen Ausschnitte macht man am besten auch auf der Kreissäge, indem man die Schnitttiefe entsprechend auf 15mm bzw. 25mm einstellt. 17
Nun geht es an die Feinarbeit. Die Wangen werden zusammengespannt und gemeinsam verschliffen. Dazu eignet sich ein Winkelschleifer mit 40er Schleifpapier hervorragend. Je genauer man gesägt hat, desto weniger muss jetzt geschliffen werden. 06
Auf der Schablone sind auch die Linien der jeweiligen Gegen-Wange eingezeichnet. Am besten kontrolliert man dies nochmals mit den Konturen der Wangen, falls durch das Schleifen die Form von der Schablone abweicht. Der Bereich um den mittleren Zapfen muss auf die halbe Stärke der Wangen ausgestemmt werden. Um sich das Leben leichter zu machen kann man auf der Kreissäge einige Schnitte mit einer Schnitttiefe von 15mm machen. So können die verbleibenden Stege einfach ausgebrochen werden. 07
Der Rest wird mit einem scharfen Stechbeitel ausgestemmt. 08
So in etwa sollte die Aussparung dann aussehen. Wichtig ist, dass alle Wangen und Aussparungen die exakt gleiche Kontur haben, denn beim Zusammenbauen des Stuhles können die Wangen unterschiedlich gepaart werden. 09
Zwischendurch die Wangen probeweise zusammenstecken (wird durch eine Bohrung in der Mitte sehr erleichtert) und kontrollieren ob die Aussparungen zusammenpassen. Hier wurden schon die äußeren Zapfenlöcher ausgestemmt. Auch dabei kann man einiges an Zeit und Schweiß sparen, wenn man mit einem 20er Forstnerbohrer pro Aussparung zwei Löcher bohrt. So muss man nur noch die Ecken ausstemmen. 10
Detailaufnahme der Aussparung. Ohne ein wenig nachzuarbeiten wird es kaum gehen. 11
Und so sieht das fertige Gestell für den Scherenstuhl dann aus. Die Stahlbänder für die Verzapfung sind aus Palettenbändern gemacht. Diese bekommt man meist umsonst bei größeren Baumärkten. Diese hier waren ca. 19mm breit und 0,5mm stark. 12
Das Band wird in 20cm Stücke abgelängt, und 2mm Löcher für die Nägel gebohrt. Anschließend 2-mal im Abstand von 30mm abkanten. Das Stahlband wird dann so an die Streben angenagelt, dass eine Lasche entsteht durch die ein Keil eingeschlagen werden kann. Damit der Keil nicht nur an der oberen Kante an der Lasche anliegt, wird diese mit einer Kombizange leicht nach außen gebogen und die untere Kante mit gezielten Hammerschlägen leicht eingefaltet. 13
So sieht die Verzapfung dann von vorne aus. 14
Dann noch ein schönes Stück Leder aussuchen (ca. 40x100cm) und zwei Laschen nähen, so dass man die oberen zwei Streben bequem hindurchfädeln kann… et voilà! Das Holz habe ich zum Schutz vor Wasser und dem üblichen Lager-Dreck geölt. 15
Doch das wichtigste zum Schluss: wie klein lässt sich dieser Stuhl denn nun zusammenpacken? Seht selbst. Übrig bleibt ein Packet von knapp einem Meter Länge und 15 bis 20cm Durchmesser. 16

Valid XHTML 1.0 Transitional